Alexander Herrmann’s Imperial in Nürnberg. Eine Bereicherung für die Gastronomie!

Noch nie habe ich ein Restaurant so Glücklich und bereichert verlassen wie das Imperial von Alexander Herrmann.

Soviel sei am Anfang schon mal dazu gesagt.
Mein Freund und ich hatten vor ein paar Wochen unser 10-jähriges Jubiläum. Dazu wollten wir es uns besonders gut gehen lassen und haben uns einen Tisch im neuen Restaurant von Alexander Herrmann in Nürnberg- im Imperial – einen Tisch reserviert.

Es ist jedoch wirklich nicht einfach eine Reservierung zu bekommen, da der Andrang auf das Restaurant sehr hoch ist, Man muss also früh dran sein, um einen Tisch am Tag seiner Wahl zu bekommen. Wir hatten Glück und haben noch ein Plätzchen um 18:30 an einem Samstag Abend bekommen.

Nachdem wir zuvor die sehr entspannende Doku „walk with me“ über eine Gemeinschaft buddhistischer Zen-Mönche und -Nonnen in dem zuckersüßen Independent-Kino „Meisengeige“ (man muss erst durch eine Bar laufen um im Keller einen Platz in den winzigen Kinoräumen zu bekommen) gesehen haben, haben wir uns auf den Weg zum Imperial gemacht. Das Restaurant liegt super zentral in der Königstraße 70 und ist kaum zu übersehen. Im Erdgeschoss des großen, komplett kernsarnierten Gebäudes befindet sich das „Fränk’ness“, eine Art fränkisches Deli um zwischendurch gute fränkische Hausmannskost auf Streetfood-Art zu genießen. Es ist hell und modern eingerichtet, die Küche steht hier wortwörtlich im Mittelpunkt des Raumes. Bevor wir ein Stockwerk weiter hoch in’s Imperial gegangen sind, haben wir noch die Toiletten des „Fränk’ness“ aufgesucht und hier wurde gleich klar: Der hat Humor, der Alexander ;-)

Am Empfang des Imperial im Erdgeschoss wurden wir sehr herzlich begrüßt, die nette Dame hat uns gleich zum Jubiläum gratuliert (woher sie das nur wusste ;-) ) und uns die Treppe nach oben in’s Restaurant geführt. Zu dieser frühen Stunde war noch nicht viel los, uns wurden die Jacken abgenommen und wir wurden zu unserem Tisch gebracht. Die Mitarbeiter aus dem Service haben uns alle so herzlich begrüßt, als ob man sich schon ewig kennen würde.
Der erste Pluspunkt wurde gesammelt. Ich saß gerade mal 30 Sekunden am Platz und war schon so begeistert von dieser netten und herzlichen Begrüßung des kompletten Personals – das konnte ja nur noch besser werden.
Nino, unsere Bedienung für den Abend hat uns die Karte erklärt und uns erstmal etwas Zeit gegeben eine Auswahl zu treffen. Aber auf die Karte konnte ich mich noch garnicht konzentrieren, zuerst einmal musste ich die ganze Einrichtung bestaunen. Hohe Decken, Lederbezogene Tische, große Fenster, goldene Gläser und diese Stühle !! Am liebsten hätte ich gleich einen mitgenommen. Es ist alles extrem schick, aber dennoch im roughen Industrie-Stil gehalten, Wir saßen im hinteren Bereich des Restaurants – der Blickfang dort: ein riesiges Kunstwerk des Portugiesen Vhils: ein sinnliches Damengesicht, gehämmert auf weiß verputztem, schwarzen Stein.
Nächster Pluspunkt:

Ein Interieur und eine Atmosphäre mit höchstem Designanspruch, aber nicht zu aufdringlich. Einfach nur – genau richtig.

Und direkt folgt auch schon der nächste Pluspunkt, etwas ganz besonderes, das ich so noch nicht gesehen habe: Die Speisekarte. Die Speisekarte die eigentlich eine Fotodokumentation über Alexander’s Karriere ist. Die Karte ist versehen mit echten, persönlichen Fotos – eingeklebt wie in einem Fotoalbum. Eine wirklich schöne, familiäre Note die Einblicke in das Leben des Sternekochs Alexander Herrmann gibt. Dazwischen, feinste Vorspeisen, Zwischen- und Hauptgänge sowie Desserts. Serviert bekommt man die Köstlichkeiten entweder als 4-Gänge Menü oder bei Wunsch auch à la Carte.
Die Gerichte:

bodenständig, fränkisch aber trotzdem exotisch und gleichzeitig minimalistisch; mit Sternecharakter.

Wir haben uns für ein selbst zusammengestelltes Menü à la Carte entschieden. Am Anfang haben wir frisches Brot mit Kaviarbutter bekommen. Und zwar nicht so wie man es sonst kennt – nein. Auch hier wieder eine Besonderheit: Das Brot kam in einer Schüssel die mit heißen Steinen gefüllt war – sodass das Brot lange warm bleibt und den „Frisch aus dem Backofen-Charakter“ behält. Top! Zum Anstoßen haben wir uns den Hauschampagner gegönnt der locker mit namenhaften Marken mithalten kann!
Begonnen haben wir dann mit den Vorspeisen vom „Vorspeisewagen“. Nino kam mit einem kleinen Wagen quasi herangerollt auf dem mehrere kleine Vorspeisen angerichtet waren. Nachdem er uns alle erklärt, und uns seinen Favoriten verraten hat, hatten wir die Qual der Wahl. Um nicht’s zu verpassen, haben wir einfach alle ein Mal genommen ;-)
Es war natürlich nicht’s dabei was nicht geschmeckt hat. Als wir anschließend mit Nino über unsere Favoriten philosophiert haben mussten wir sogar drei mal den ersten Platz vergeben!

Weiter ging es mit dem Zwischengang. Dazu gibt es eine kleine lustige Geschichte. Ich habe mich für das „fränkische Ramen“ entschieden – die Beschreibung des Gerichts habe ich mir weiter garnicht durchgelesen. Bei der Bestellung meinte Nino zu mir: „Gute Wahl! Viele trauen sich da nicht ran wegen dem Herzen und dem Magen.“. Bevor ich überhaupt realisiert habe was er damit meinte, kam auch schon mein Teller und ich musste feststellen dass ich da gerade „Ramennudeln in Entenbrühe mit pochiertem Ei, gebratenen Entenherzen, geschmortem Entenmagen, Korianderblättern und -stielen“ bestellt habe. Tja, da musste ich jetzt wohl durch, als „Mutige“, die sich „an dieses Gericht traut“ :D
Ich muss sagen, tatsächlich hätte ich das Gericht nicht bestellt, wenn ich mir darüber bewusst gewesen wäre was da eigentlich wirklich drin ist; aber wie sagt man so schön: wer nicht wagt, der nicht gewinnt und wisst ihr was? Ich habe meinen Kopf ausgeschaltet und das Ramen einfach genossen, das Fleisch, also das Herz und der Magen ;-) , waren so zart und lecker, da habe ich keinen Gedanken daran verschwendet worum es sich da eigentlich handelt.
Schön war an dieser Stelle auch, das Nino uns zum „Ramen“ ein paar Hintergrundinfos gab. Bei diesem Gericht, soll man einen ganz neuen Geschmackssinn verspüren. Denn neben süß, salzig, sauer und bitter, gibt es nun auch „UMAMI“ offiziell als Geschmacksqualität. Die gustatorische Wahrnehmung des Umami lässt sich wohl am Besten mit „fleischig“, „würzig“ oder „wohlschmeckend“ umschreiben.

Nachdem wir mit einer Kollegin von Nino den „für uns bestimmten Wein“ gefunden haben, kam auch schon die Hauptspeise. Für mich gab es das „Beef Sashimi“ , für meine Freund den „Gebratenen Hirschkalbsrücken“. Beides sehr lecker, tatsächlich für unseren Geschmack zu dem Zeitpunkt etwas zu salzig … aber das Schöne: Als Nino gefragt hat wie es geschmeckt hat, hatten wir das Gefühl das Feedback ehrlich aussprechen zu können und das es auch gewollt ist. Sowas finde ich Schön und wichtig! Wie oft wart ihr schon in der Situation nach dem Essen gefragt worden zu sein wie es geschmeckt hat und am Liebsten hättet ihr eure ehrliche Meinung gesagt? Es geht ja nicht darum so etwas böse zu meinen oder jemandem etwas schlechtes zu wollen, ganz im Gegenteil! Nur mit ehrlichem Feedback kann man Arbeiten.

So langsam hat sich das Imperial dann auch gefüllt, alle Tische waren besetzt und das Personal war gut beschäftigt. Man merkte dass etwas Stress aufkommt, trotzdem waren alle soo nett und zuvorkommend – so lässt es sich doch aushalten! Auch wenn die Bedienung schon längst am anderen Tisch hätte sein sollen, hatte sie immer noch Zeit um ein paar persönliche Sätze mit einem zu wechseln, was einem das Gefühl von Freundschaft vermittelt hat.

Zum krönenden Abschluss gab es dann das Dessert. Auch hier hatte man die Wahl zwischen einem „großen Dessert“ à la Carte oder diversen kleinen Desserts vom Wagen. Da ich eher der Fan davon bin so viel wie möglich zu probieren, sind es auch hier wieder die Desserts „vom Wagen“ geworden. Wow – und die waren wirklich ein Traum! Schokoladen-Erdnuss-Eis mit salzigem Crunch, Weißer Schokoladen-Espuma mit Apfel und Wasabi, karamellisierte Schokoladencreme und eine Milchschokoladenpraline mit Mango und Passionsfrucht. LECKER!

Wir sind nach dem Dessert noch lange sitzen geblieben und haben einfach die Atmosphäre genossen. Ich wollte garnicht mehr gehen :D Doch alles hat ein Ende und so auch dieser Abend. In Summe haben wir 240 € (inklusive Trinkgeld) bezahlt, für zwei 4-Gänge Menüs, Champagner, Wasser und jeweils 2 Gläser Wein. Ja, es ist ein stolzer Preis aber ja, das darf auch verlangt werden. Das Essen ist Spitze, das Ambiente ist atemberaubend aber vor allem, und ich kann es nicht oft genug wiederholen: Das Personal ist der Oberhammer. Unter dem Strich hat Nino, unsere Bedienung, und alle anderen mit denen wir an dem Abend gesprochen haben, dafür gesorgt das der Abend ein besonderer war.

Es sind die Kleinigkeiten die einem in Summe ein gutes Gefühl hinterlassen.

Es war die herzliche und warme Begrüßung am Anfang, der Geschäftsführer Hubert Gronauer der einem auch mal selbst das Essen bringt weil alle anderen gerade beschäftigt sind, es war Nino – der einem das Gefühl gab ein guter Freund zu sein, und es war die Dame an der Garderobe die sich bei den hunderten Gästen unsere Gesichter gemerkt hat und die Jacke die zu uns gehören. Ohne Nummer, ohne Schildchen.

Dieser Abend hat wieder mal gezeigt, du kannst noch so ein tolles Restaurant und noch so ein tolles Essen haben, wenn die Stimmung und die Leute nicht stimmen, ist das alles nichts.

Im Imperial sind alle eine große Familie und der Gast ist ein Teil davon.

Abschließend lässt sich der Abend eigentlich schön mit einer Aussage von Nino zusammenfassen, Er fragt uns am Ende: „Ich hoffe ihr habt den Abend genossen und geht etwas mehr open minded hier raus, als ihr reingekommen seid“.
Verdammt ja! Diese Aussage, die Menschen und der Abend haben mich wirklich inspiriert.

Danke Alexander, für diese Bereicherung mit dem „imperial“ in der Gastronomie.

Einen kleinen Fun fact habe ich noch:

Gleich oben links, nachdem man die Treppe zum „Imperial“ hochkommt, befindet sich eine kleine Bar die heißt „Klara und Beate“. Wieso? Weil man von der einen Seite auf die Klarakirche und von der anderen auf den Beate-Uhse-Laden schaut. ;-)

 

2 Comments

  1. Isabella

    Was für ein schöner Bericht über das Imperial – ich würde jetzt gleich am liebsten hinfahren wollen ❤ Besonders toll & einfallsreich finde ich ja die Idee mit den heißen Steinen und dem Brot, soooo cool ( das werde ich doch glatt mal selbst zu Hause probieren 😉)! Die einzelnen Gerichte hören sich auch super an. Das Imperial ist bestimmt einen Besuch wert und kommt auf meine „Da-muss-ich-unbedingt-hin“‚-Liste 😁 Danke für deinen tollen Erfahrungsbericht!

    Liebe Grüße und nur das Beste für Dich,
    Isabella

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s